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  • Walter Kreisl

Weihnachten 2020

Am 25.12. sollte eigentlich unser nächstes Treffen stattfinden. Bedingt durch Corona ist das natürlich nicht möglich. Was für ein verrücktes Jahr ist das? Morgen, am Heiligabend, haben sicher die meisten von euch eine Krippe unter dem geschmückten Weihnachtsbaum aufgebaut - wie es Tradition ist. So wie berichtet wird, war der Stall ziemlich zerfallen, zugig und konnte keinen guten Schutz bieten. Mit Sicherheit gibt es keine hochschwangere Frau, die freiwillig in einer solchen Behausung übernachten, geschweige denn ein Kind gebären würde. Könnte es sein, dass wir damit gemeint sind? Das intakte Haus als Symbol für die Abgrenzung unseres Ich, denn dort schotten wir uns ab: Haus und Wohnung als Rückzugsort bedeutet auch Absonderung. Wir sehen es als gefährlich, als riskant an, in einem Zustand der Unbeständigkeit und Unsicherheit zu leben. Deshalb bauen wir Mauern um uns herum - die Mauern der Tradition, der organisierten Religion, der politischen und sozialen Theorien. Die Familie, der Beruf, Name, Besitz - die vielen kleinen Tugenden die wir kultiviert haben - all dies befindet sich hinter diesen Mauern, vom Leben getrennt. So ist der Nährboden für Konflikte und Feindseligkeiten zwischen Gruppen verschiedener Gemeinschaften, aber auch Gruppen der eignen Gemeinschaft, sowie ganzer Nationen gegeben. Unser Haus soll offen sein, wie der Stall unter dem Weihnachtsbaum das symbolisiert - nur wenn unser Ich durchlässig ist kann Frieden entstehen. Deshalb sollten wir dieses Symbol, Stall mit Krippe, nicht nur an Weihnachten im Schein der Kerzen andächtig betrachten, sondern das ganze Jahr über in unserem Herzen tragen.



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