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  • Walter Kreisl

Wissen - Nichtwissen

Wir leben in einer Welt des Wissens. Wenngleich unsere Welt nicht einzig und allein aus Wissen besteht, haben Computer und Internet es ermöglicht, dass uns Informationen, jeglicher Art, rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Wir glauben eine Menge zu wissen, weil wir durch das Netz über einen scheinbar grenzenlosen Zugang zu Wissen verfügen. Aber in Wirklichkeit wissen wir als Individuen nur sehr wenig. Denn das Wissen aus dem Netz ist das Wissen anderer, und wir behandeln dieses Wissen, als wäre es unser eigenes. Das heißt: Wir lassen andere für uns denken und merken das nicht einmal. Leider. Außerdem handelt es sich bei den meisten Informationen aus dem Netz gar nicht um tatsächliches Wissen, sondern lediglich um Meinungen über Wissen, und das ist etwas ganz anderes. Tatsachen sind Tatsachen. Punkt. Meinungen über Tatsachen können abgestritten, geändert, geleugnet…werden, aber das ändert nichts an den Tatsachen. Ganz sicher nicht.

Aber es gibt auch Dinge von denen wir sicher wissen, dass wir sie wissen - das bekannte Bekannte. Weil wir wissen, dass wir über etwas Bescheid wissen, ist das zunächst einmal sehr beruhigend. Wir wissen aber auch, dass es das unbekannte Bekannte gibt: Das heißt, es gibt Dinge die wir nicht wissen, und wir wissen das. Das mag schwierig sein, aber zumindest weiß man worauf man sich einzustellen hat. Aber es gibt auch das unbekannte Unbekannte - Dinge also von denen wir nicht wissen, dass wir sie nicht wissen. Und es sind immer die unbekannten Unbekannten, die die meisten Probleme verursachen. Dabei handelt es sich um die Form des Nichtwissens, mit der wir am häufigsten konfrontiert sind.

Mittlerweile geht das so weit, dass Eltern ihren Kindern Dinge, wie beispielsweise die Ursachen des Klimawandels oder die Funktionsweise der Weltwirtschaft, gar nicht mehr erklären können, weil sie das einfach nicht mehr verstehen. In der Vergangenheit ging das noch recht einfach, und die Dinge veränderten sich nur langsam. Doch die Welt im 21. Jahrhundert wird immer komplizierter und die Menschen merken nicht einmal, wie wenig sie darüber Bescheid wissen, was vor sich geht. Wir verfügen zwar über den Zugang zu einer Menge Informationen, Meinungen - und das ist zweifelsohne sehr unterhaltsam -, aber es gibt eben niemanden der uns etwas über die Dinge sagt von denen wir nicht einmal wissen, dass wir sie nicht wissen. Dafür wissen wir wie man ein Smartphone bedient, und das ist doch schon eine ganze Menge. Mehr benötigt man eigentlich gar nicht an Wissen.


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