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  • Walter Kreisl

Wissen oder glauben?

In Zeiten, wie wir sie gerade erleben, müssen ständig Entscheidungen getroffen werden. Einerseits betrifft dies Corona, andererseits geht es darum größere wirtschaftliche Schäden infolge des Krieges abzuwehren. Ob diese Entscheidungen richtig oder falsch waren stellt sich dann meistens erst im Nachhinein heraus - leider - wir wissen es vorher einfach nicht. Das sollte uns jedoch nicht wundern, denn von der Sprachwurzel her stammt Wissen von "gesehen haben“ - also Vergangenheit. Das bedeutet, ich habe es gesehen - irgendwann mal - und glaube nun zu wissen, dass es jetzt immer noch so ist, wie ich es mal gesehen habe.

Angenommen ihr stellt euer Auto auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt ab und geht einkaufen. Währenddessen glaubt ihr, dass euer Auto immer noch auf dem Parkplatz steht - obwohl es durchaus sein könnte, dass es gestohlen wurde. Es könnte auch abgeschleppt worden sein, weil es versehentlich eine Feuerwehrzufahrt blockierte.

Das ist aber nicht wissen, sondern glauben.


Genau dieses Problem brachte den österreichisch-britischen Philosoph Karl Popper auf den schönen Satz: „Wenn wir vorhersehen könnten, was wir wissen werden, wüssten wir es schon.“ - Gleichermaßen lautet ein interessanter Grundsatz des Zen-Buddhismus: „Euer Wissen ist Nicht-Wissen“ - demnach interpretieren wir aufgrund von Unwissenheit die Wirklichkeit zu schnell und damit falsch - wir irren uns - und wir glauben sogar dank des Wissens uns die Wirklichkeit ersparen zu können - wir wissen es ja. Die Rückschau zeigt allerdings, dass wir Menschen uns bezüglich der großen Sachen immer geirrt haben.


Vor ca. 120-150 Jahren, als noch der gesamte Personen- und Güterverkehr mit Pferdefuhrwerken erledigt wurde, sind die Städte in Europa - wortwörtlich - im Pferdekot ertrunken. Um das Problem zu lösen, hatte man zunächst überlegt, wie es möglich wäre Pferde zu züchten, die weniger Kot produzieren - ernsthaft. Die Erlösung brachte dann das Automobil, weil es tausendfach sauberer war, als das, was vorher war. Dass, das Automobil jedoch eine ganze Reihe weiterer Probleme mit sich bringen würde, die mehr als tausendfach schwerwiegender sind als das mit dem Pferdekot, wusste man damals nicht - keiner konnte das wissen, und wir haben bis heute noch keine Lösung gefunden.

Es ist also nicht ersichtlich, dass wir heute so einfach sagen können: Wir wissen es jetzt! Die, die uns mal den „Vogel“ zeigen werden, sind schon da. Übrigens: Der Name eines Bauteils an der Karosserie unserer Automobile erinnert noch heute an die Zeit, damals mit den Pferdekutschen - der Kotflügel.

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