

Die Geschichte der WIWIs
Plötzlich allein - und dann?
Die Geschichte der WIWIs
2016 entstand die Idee für eine Selbsthilfegruppe - aus einem einfachen Gedanken: Es muss doch irgendwo einen Ort geben, an dem Menschen wie ich zusammenkommen können. Einen Ort, an dem man nicht erklären muss, warum man manchmal lacht und manchmal plötzlich still wird. Einen Ort an dem Trauer sein darf - aber nicht im Mittelpunkt stehen muss.
Die Idee entsteht
Also fing ich an zu suchen. Ich tippte mich durch Internetseiten, blätterte durch Angebote in der Region - und merkte schnell: Es gibt zwar Gruppen, aber irgendwie keine, in die ich einfach so hineinpassen würde. Einige waren nur für Frauen gedacht, andere hatten sehr starre Strukturen oder richteten sich auf bestimmte Trauersituationen aus. Ich stellte mir etwas anderes vor: ein offenes Treffen, locker, menschlich, ohne Vorgaben.
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Wenn es nichts gibt...
Eines Abends stieß ich dann zufällig auf verwitwet.de, eine Plattform voller Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten. Dort fand ich eine Übersicht über Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland. Ich hoffte, irgendwo eine Gruppe in der Nähe zu entdecken – aber rund um Ravensburg war ein weißer Fleck. Die nächste Möglichkeit wäre Stuttgart gewesen. Viel zu weit weg. Da war er wieder, dieser Gedanke: Wenn es nichts gibt… dann muss ich eben selbst etwas Neues beginnen. Also fasste ich den Entschluss, eine eigene Gruppe in Ravensburg zu gründen.
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Ein Raum für die Gruppe
Natürlich blieb es nicht beim Entschluss. Kaum hatte ich angefangen zu planen, stand ich schon vor dem ersten sehr unromantischen Problem: ein Raum. Wer nimmt schon eine Gruppe auf, ohne zu wissen, ob am Ende drei Menschen vor der Tür stehen oder dreißig? Die Gaststätten und Restaurants in Ravensburg jedenfalls nicht – ich bekam Absage um Absage.
Und dann kam dieser Moment, der im Rückblick fast filmreif wirkt: Während einer Besprechung an der DHBW Ravensburg erwähnte ich das Projekt eher nebenbei. Plötzlich hieß es: „Warum nutzen Sie nicht unsere Mensa am Marienplatz?“ Ich musste zweimal hinhören. Die Mensa! Zentral gelegen, gut erreichbar, groß genug – ein echter Glücksgriff. In diesem Moment bekam die ganze Idee plötzlich einen festen Boden.
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Alles, was noch fehlte, war ein Termin – dann konnte die Nachricht endlich an die Öffentlichkeit. Von verwitwet.debekam ich bereits fertige Textbausteine für die Ankündigung. Außerdem bot man mir an, die Veröffentlichung direkt über ihre Webseite laufen zu lassen. Zunächst geschah jedoch kaum etwas. Parallel wandte ich mich zusätzlich an die Schwäbische Zeitung. Annette Vincenz sagte sofort zu. Und dann kam der 9. November 2016 – der Tag, an dem der Artikel erschien. Mit ihm veränderte sich alles. Das Interesse war überwältigend, weit über Ravensburg hinaus.
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Irgendwann ist immer das erste Mal...
Am Freitag, den 25. November 2016 um 19:30 Uhr war es dann endlich soweit. Ich erinnere mich noch gut: Die Mensa füllte sich… und füllte sich… bis wirklich jeder Stuhl besetzt war. Es müssen 90, vielleicht 100 Menschen gewesen sein. Ich stand mittendrin, schaute in all diese Gesichter – so viele Geschichten, so viel stille Hoffnung – und war einfach überwältigt.
Zum Glück hatten wir die vorhandene elektroakustische Anlage aktiviert, sonst wäre es unmöglich gewesen, auch nur ein Wort zu verstehen. Und weil die Mensa eben eine Mensa ist, war selbstverständlich auch für das leibliche Wohl gesorgt – unkompliziert, verlässlich, liebevoll unterstützt vom „Studentenwerk Seezeit“ in Konstanz.
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​An diesem ersten Abend beschlossen wir gemeinsam, wie es weitergehen sollte: Die Treffen würden künftig regelmäßig stattfinden – immer am letzten Freitag im Monat um 19:30 Uhr – unter dem Namen „Ortstreffen für Verwitwete in Ravensburg“. Da am Anfang so viele Menschen kamen, blieben wir zunächst in der Mensa. Erst als sich die Gruppe allmählich bei etwa 25 bis 30 Personen einpendelte, zogen wir weiter in kleinere, gemütliche Restaurants und Gaststätten im ganzen Landkreis.
​Das regelmäßige Treffen
Mit den Monaten wuchs unser Wirkungskreis. Menschen aus dem gesamten Landkreis Ravensburg kamen dazu, später sogar aus dem östlichen und westlichen Bodenseekreis. Trotzdem blieben Ravensburg, Weingarten und die nähere Umgebung unsere festen Treffpunkte – einfach, weil die meisten von uns hier leben und sich hier zuhause fühlen.
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Und das Schönste: Aus unserer Gruppe heraus entstanden irgendwann sogar neue Treffen – eines in Biberach und eines in Tettnang. Aus einem kleinen Gedanken waren viele neue Orte geworden, an denen Menschen sich finden, verstehen und ein Stück Weg gemeinsam gehen können.​
​Die Selbsthilfegruppe WIWIs
Seit 2021 wird unsere Selbsthilfegruppe von den gesetzlichen Krankenkassen und ihren Verbänden im Rahmen der GKV-Gemeinschaftsförderung in Baden-Württemberg unterstützt. Unsere Angebote sind damit offiziell gesundheitsorientiert und leisten einen Beitrag zur Unterstützung und Erweiterung der Versorgung im Gesundheitswesen in der Region.
Besonders profitieren Menschen, die bereits psychologische oder psychiatrische Betreuung erhalten, ebenso wie diejenigen, die ambulante Hospizdienste nutzen. Unsere Treffen und Aktivitäten bieten ein ergänzendes Angebot – einen Ort, an dem Menschen, die einen Partner verloren haben, Verständnis, Austausch und Halt finden.
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Die Gruppe ist zudem in die Selbsthilfenetzwerke der Landratsämter Ravensburg und Bodenseekreis aufgenommen worden. Kontaktdaten und Kurzinformationen sind auf den Webseiten beider Landkreise verfügbar. Um die Zugehörigkeit zu beiden Landkreisen zu verdeutlichen, wurde gemeinsam mit den Landratsämtern der offizielle Name „Ortstreffen für Verwitwete Ravensburg / Bodenseekreis“ festgelegt.
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Unter den Mitgliedern hat sich schnell der liebevolle Spitzname „WIWIs“ etabliert – ein Kürzel für Witwen und Witwer, das daran erinnert, dass es in erster Linie um die Menschen selbst und ihre Bedürfnisse geht. Das Prinzip der Gruppe lautet: Alles kann, nichts muss. Ein Ort, an dem jeder willkommen ist, so wie er ist.
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Herzlich willkommen bei den WIWIs!
Wir freuen uns auf neue Mitglieder und laden jeden ein, zu unseren Treffen zu kommen – genau so, wie er oder sie ist.