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  • Walter Kreisl

Kollektives Bewusstsein

In letzter Zeit bin ich erstaunt, wie viele neue Gruppierungen auf einmal auftauchen. Manche demonstrieren lautstark, während andere gewalttätig werden. Da gibt es Querdenker, Coronaleugner, Impfgegner, Reichsbürger, Neonazis, Rechtsradikale…Auf den ersten Blick scheint da etwas völlig Neues, Eigenständiges entstanden zu sein. Doch bei genauerer Betrachtung werden gängige, altbekannte Muster erkennbar. Menschen werden dazu erzogen, ein Katholik, ein Protestant, ein Atheist, ein Italiener, ein Brite usw. zu sein. Auf der Grundlage dieser unterschiedlichen Erfahrungen, häufen wir ständig neues Wissen an und speichern es in unserem Gedächtnis. Dieses Wissen wird sorgfältig archiviert und entsprechend den verschiedenen Themen in Schubladen aufbewahrt. Demnach ist denken lediglich eine Reaktion des Gedächtnisses auf die archivierten Erinnerungen aus der Vergangenheit. Deshalb kann denken, das auf Speicherung basiert niemals neu sein, niemals frei sein - es ist zwangsläufig immer angepasst, eng, einseitig und fragmentarisch - das Denken ist begrenzt. Und genau diese Abgrenzung schafft Probleme. Eigentlich geht es darum was wirklich ist, und nicht darum was sich in irgend einer unserer Schubladen befindet. In der Schule haben wir gelernt uns zu konzentrieren, immer nur einen Ausschnitt zu betrachten - wir haben das akzeptiert. Denn während Querdenker und Coronaleugner lautstark demonstrieren oder Neonazis gewalttätig werden, zerstören wir weiter unsere Umwelt, lassen Menschen sterben, schneiden uns gegenseitig die Kehle durch, stehen im Wettstreit oder im Krieg miteinander. So wird kein menschliches Problem gelöst werden. Trotzdem, seitdem die Menschheit existiert, wiederholt sich dieses Muster. Und so sind Gruppenbewusstsein, Rassenbewusstsein, nationales Bewusstsein, professionelles Bewusstsein, ebenfalls nur Produkte des Denkens. Es werden grenzen geschaffen und verteidigt, und damit entstehen Konflikte, die auch gewalttätig sein können. Jede Form von Trennung führt zu Feindschaft und Hass. Denken, Analysieren bedeutet immer Trennung, Spaltung. Da ist der Analysierende und das was analysiert werden soll. Eines ist ganz sicher: "Wer mit dem Herzen denkt, der spaltet nicht!“ So kommt auch undenkbares zum Vorschein. Erkennt ihr den Unterschied? Erkennt ihr die Schönheit darin? In der Frage liegt die Antwort.


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